Wie kleine und mittlere Firmen ein Umweltmanagement stemmen
Kunden fragen nach dem Umweltschutz:
Auch für kleine Gewerbe- und Handwerksbetriebe macht Umweltmanagement Sinn

Ausgangslage
Ein kleines oberbayerisches Chemieunternehmen mit sieben festangestellten Mitarbeitern produziert seit 15 Jahren Klebstoffe. Sein Qualitätssicherungssystem ist seit 2001 von der Dekra nach ISO 2000:9001 zertifiziert. Als immer mehr Kunden nach einem Umweltmanagementsystem (UMS) fragen, nimmt der Firmeninhaber Kontakt zur Umweltberaterin Dr. Kerstin Koenig-Hoffmann mit Sitz in Schongau auf. Und es erkennen immer mehr Unternehmen unterschiedlicher Branchen, dass sie sich stärker mit dem ökologischen Aspekt beschäftigen und trotz mancher Hindernisse ein Umweltmanagement einführen müssen. Über den Blickwinkel der Ökologie aber können weitere Rationalisierungspotenziale erfasst werden. So kann ein UMS zu den klassischen Wirtschaftszielen einer Firma wie Wettbewerbsfähigkeit, Liquidität und Gewinn beitragen.

Motive
Sehr oft ist es die Nachfrage der Kunden, warum sich kleine und mittlere Unternehmen (KMU) entschließen, ein Umweltmanagement einzuführen, sagt Dr. Koenig-Hoffmann. Eine Schreinerei mit 35 Mitarbeitern fasste beispielsweise den gleichen Entschluss wie das erwähnte Chemieunternehmen. Zum einen verlangt der Naturstoff Holz einen sorgsamen Umgang bei Weiterverarbeitung und Behandlung. Zum anderen wird die Firma ebenfalls immer wieder von Kunden angesprochen, die umweltfreundlich hergestellte Produkte aus Holz fordern. Mit dem Aufbau eines Umweltmanagementsystems verbessert der Betrieb kontinuierlich seine Umweltleistungen. Gleichsam nebenbei reduziert die Schreinerei die Müllkosten durch systematische Wertstofftrennung um jährlich 800 Euro, die Heizkosten um 4000 Euro. Die unbehandelten Holzabfälle werden nämlich nach einem Heizungsumbau nun selber verwertet. „Selten geht es vorrangig um Kostenersparnis, wenn Handwerksbetriebe oder andere kleinere Firmen über ein UMS nachdenken“, sagt Dr. Koenig-Hoffmann. Zumal am Anfang in der Regel Investitionen nötig sind, die sich erst später amortisieren. Es gibt viele andere Motive: Manch eine Firma behauptet sich im harten Wettbewerb durch Innovation und Qualität sowie eine optimale Produktionsorganisation. Vielen Firmenchefs ist die Rechtssicherheit oberstes Ziel, aber auch Umweltentlastung und Schöpfungsverantwortung sind wichtige Anliegen. Oder sie möchten die Motivation der Mitarbeiter erhöhen, denn die arbeiten gerne bei einem Vorreiter in Sachen Umweltschutz. Heinrich Mosler, dem Besitzer eines Dachdeckerbetriebs, hatten Kundengespräche klar gemacht, dass Auftraggeber heute Umweltinformationen über den Handwerksbetrieb und seine Produkte wünschen. Und da Heinrich Mosler gleichzeitig Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken war, entstand aus dieser Erkenntnis im Jahr 1997 der QuB, der Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe in Handwerk und Gewerbe.

Aktivitäten
Was hat nun beispielsweise die eingangs erwähnte Schreinerei konkret getan? Sie hat sich zur Teilnahme am QuB entschlossen. Im Rahmen dieser Teilnahme reduzierte sie durch eine systematische Wertstofftrennung den Gewerbemüll. Der Bedarf an PU-Schäumen wurde durch alternative Abdichttechniken im Fensterbau reduziert; der Betrieb schloss sich ans Rücknahmesystem PDR für PU-Schäume an. Das Aufkommen an Schlämmen wurde vermindert, indem vor dem Lackieren die Türen und Fenster sorgfältig gereinigt werden. Und es wurde auf wasserlösliche Lacke umgestellt. Beim Umweltmanagement geht es darum, die Umweltauswirkungen einer Organisation zu verbessern, also negative Umweltauswirkungen zu reduzieren und positive zu steigern, erläutert Dr. Koenig-Hoffmann. Bevor dafür konkrete Maßnahmen ergriffen werden können, ist eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes nötig. Es müssen diejenigen Bestandteile von Tätigkeiten, Produkten und Dienstleistungen ermittelt werden, die Umweltauswirkungen haben. Diese Bestandsaufnahme der Umweltaspekte muss auf die individuellen Rahmenbedingungen des jeweiligen Betriebs abgestimmt sein: Steht die Firma in einem Wohn-, Misch- oder Gewerbegebiet? Welche Materialien werden zu welchen Zwecken eingesetzt? Welche Gesetze und Verordnungen gelten für die Branche oder das Gewerk? Nur wer beispielsweise weiß, welche rechtlichen Regelungen einzuhalten sind, kann die Rechtskonformität des Unternehmens beurteilen.
Das eingangs erwähnte Chemieunternehmen, das innerhalb von etwa einem Jahr ein UMS aufbauen will, hat die Bestandsaufnahme inzwischen abgeschlossen, nun werden Mängel abgearbeitet. Beispielsweise werden Lärmmessungen durchgeführt, ein Gefahrstoff- sowie ein Abfallkataster werden angelegt.

Prüflisten
Für die Bestandsaufnahme bei Einführung eines UMS hat Dr. Koenig-Hoffmann branchenspezifische Prüflisten erarbeitet, beispielsweise für Handwerksbetriebe, für Gaststätten, für Kommunen. Diese Checklisten passt sie jeweils auf den konkreten Auftraggeber an und arbeitet sie über ein elektronisches Qualitätssicherungssystem mobil vor Ort ab, nämlich über e-QSS von Neumann & Neumann. Auf diese Weise sammelt sie sehr systematisch und effizient alle für die Bestandsaufnahme benötigten Informationen, bereitet sie auf und erstellt die für ein UMS erforderlichen Handlungsanweisungen. Auf dem Weg zum umwelt- und qualitätsbewussten Handwerksbetrieb muss eine ganze Reihe von Bereichen kontinuierlich im Auge behalten und kontrolliert werden einschließlich eventueller rechtlicher oder gesetzlicher Änderungen: von Abfall und Baurecht über Energie, Gefahrstoffe, Gewässer- und Immissionsschutz bis hin zum Versicherungsschutz. Hierfür empfiehlt Dr. Koenig-Hoffmann Betrieben ebenfalls den Einsatz des elektronischen Qualitätssicherungssystems e-QSS von Neumann & Neumann: Die Checklisten werden auf einem mobilen Gerät installiert, so lassen sich die Kontrollen vor Ort schnell und effizient durchführen, die Ergebnisse sind innerhalb kurzer Zeit ausgewertet, Schwachpunkte werden sofort transparent. Ein zertifizierter Betrieb muss jedes Jahr mindestens einmal in einem Audit seine Umweltleistungen überprüfen, sagt Dr. Koenig-Hoffmann. Die Umweltberaterin rät aber, sämtliche Bereiche mindestens alle drei Monate zu kontrollieren. „Dann ist ein Betrieb auf der sicheren Seite und hat stets genügend Zeit, um bei Mängeln Abhilfe zu schaffen.“ Machbar ist das, weil durch den Einsatz von e-QSS die Kontrollen ohne großen Zeitaufwand durchgeführt und ausgewertet werden können. Außerdem baut sich ein Betrieb auf diese Weise eine nachhaltige Dokumentation auf und schafft Transparenz über seine kontinuierliche Fortentwicklung und Verbesserung in Sachen Umweltschutz. Gesetzliche Änderungen lassen sich in die für das e-QSS installierten elektronischen Checklisten sehr schnell und zeitnah einarbeiten. Damit ist durchgängige rechtliche Aktualität gewährleistet. „Mehr Rechtssicherheit, die Gewissheit, alle Gesetze und Verordnungen auch im Bereich Umweltschutz zuverlässig einzuhalten: das war das zweite zentrale Anliegen des eingangs erwähnten Chemieunternehmens“, so Dr. Koenig-Hoffmann. Ein UMS lässt Firmeninhaber also ruhig schlafen.

Der richtige Weg zum Ziel
Bis Ende 2002 waren bundesweit rund 2400 Unternehmen nach dem europäischen Umwelt-Audit-System EMAS zertifiziert, 4320 Firmen nach der internationalen Norm DIN EN ISO 14001ff. Letztere ist sicher deshalb stärker akzeptiert, weil es eine international anerkannte Norm ist. Für global agierende Unternehmen und deren Zulieferer ist dies von großem Vorteil. Beide Systeme bedeuten aber einen erheblichen Aufwand die der Datenerhebung und der Dokumentation. Gerade kleine Firmen, weiß die Umweltberaterin Dr. Kerstin Koenig-Hoffmann, müssen Kosten und Zeitaufwand gering halten. Qualitäts-, Umwelt- Energiemanagement, Arbeitssicherheit usw.: Die Anforderungen steigen laufend. Daher wurde im Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QuB) versucht, für Datenerhebung und Dokumentation den Aufwand möglichst zu reduzieren und für Workshops die Kosten gering zu halten. Zugleich, betont Dr. Koenig-Hoffmann, orientiert sich das QuB-System eindeutig an EMAS. QuB-Betriebe können daher mit wenig Aufwand noch einen Schritt zur EMAS-Teilnahme oder zur ISO-Zertifizierung gehen. In den meisten Fällen reicht der Umweltmanagementansatz des QuB vollständig aus, sagt Dr. Kerstin Koenig-Hoffmann. Es stellt eine gute Alternative zu den beiden großen Umweltmanagementsystemen dar.

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